Teil 3/3 – Hühnerstall und Hühnerauslauf für Selbstversorger

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Hühner legen nicht nur fleißig Eier, es sind auch sehr schöne und angenehme Tiere für die ganze Familie. Deswegen gibt es diverse Hersteller, die kleine und sogar mobile Hühnerställe im Sortiment haben. Diese sind mehr oder weniger für die Haltung einiger Hühner geeignet, der Selbstversorger wird aber meist nicht ganz satt. Schließlich tauscht man sich mit anderen Selbstversorgern aus. Legen vier Hühner in der warmen Jahreszeit drei Eier am Tag, reicht das nicht. Außerdem macht es Arbeit, einige Hühner zu halten. Einige mehr zu halten, ist aber kaum Mehraufwand. Weswegen nicht 20 Legehennen halten und bei anderen Selbstversorgern Eier gegen Obst und Gemüse tauschen?

Je nach Hühnerrasse muss die Stallfläche für drei bis sieben Hühner wenigstens einen m² groß sein. Das setzt jedoch voraus, dass unter den Hühnerstangen das Kotbrett liegt und darunter der Platz noch frei bleibt und auch die Legenester höher liegen. Für 20 Legehühner mit maximal 3 kg Gewicht sind etwa 5 m² zu wählen, 7 m² wären besser. Wer ein altes Gartenhaus etwas umbaut, hat neben dem Hühnerstall noch einen Gang und etwas Platz, wenn überhaupt. Es lohnt sich also, den Umbau sehr genau zu planen.

Eigentlich kommt es noch schlimmer: Ein richtiger Selbstversorger muss im Fall der Fälle auch eigene Küken aufziehen. Brütende und führende Hennen sind zur Vorsicht für die ersten Wochen von den anderen Hühnern zu separieren. Nicht nur wegen der Hühner und Hähne, sondern auch wegen des Wetters und Futters, da Küken anderes Futter und viel mehr Hygiene benötigen. Weil die Hennen im Frühjahr brüten, wäre vielleicht eine alte Hundehütte mit aufklappbarem Dach an geschützter Stelle geeignet. Es gibt immerhin mobile Zäune aus festen Drahtstangen, welche zusätzlich noch mit Kükendraht zu sichern wären.

Wer die Küken aufzieht, müsste diese Hundehütte mit mobilem Zaun sogar stehen lassen, um später die Junghennen von den Hähnen zu separieren und letztere bis zum Herbst zu mästen. Der mobile Zaun muss deswegen etwas höher sein und sich erweitern lassen. Damit die Greifvögel nicht direkt die Küken holen, könnte noch ein Volierennetz darüber geworfen werden.

Ein Huhn vor dem Hühnerstall - Mit etwas Arbeit und Kreativität lässt sich ein tolles Zuhause für die Tiere errichten.
Ein Huhn vor dem Hühnerstall – Mit etwas Arbeit und Kreativität lässt sich ein tolles Zuhause für die Tiere errichten.

Das alte Gartenhaus zum Hühnerstall umbauen

Mit Glück gibt es bei den Kleinanzeigen ein altes Gartenhaus kostenlos gegen Abholung oder für ganz kleines Geld. Solange es kein Fundament benötigt, ist nur auf den Mindestabstand zum Nachbargrundstück zu achten, aber keine Baugenehmigung nötig. Besser wäre jedoch, wenn es einen Steinboden hätte, hier eignen sich alte Terrassenplatten. Der Bodengrund muss jedoch eben und fest sein, damit er sich nicht mehr setzt. Damit die Terrassenplatten nicht verrücken, können zu den Seiten Rundhölzer in den Boden versenkt werden. Damit keine Mäuse oder Mauswiesel sich durchbuddeln, kann noch ein Marderdraht unter den Terrassenplatten liegen. Diese sollen dennoch nicht verrutschen können. Letztendlich wären zwei Schichten vielleicht sogar besser, sollte sich bei Dauerregen mal das Wasser stauen. Das Innenleben im Hühnerstall darf schließlich nie unter Wasser stehen.

Wegen der Hygiene kann der Gangbereich eine weitere Schicht Terrassenplatten erhalten, bevor die Trennwand eingebaut wird. Zur Not lässt sich darauf verzichten, beim Begehen steht man jedoch im Hühnermist. Eine Trennwand ist deswegen besser. Diese kann bis mittlerer Höhe abgesehen der Zugangstür massiv sein, um dann einen mit Kükendraht bespannten Rahmen einzuhängen. Die Legenester und das schräge Kotbrett aus einer solide beschichteten Siebdruckplatte sollen zugänglich zum Gang liegen. Auf drei bis vier Hennen reicht ein Legenest, das Kotbrett soll im Idealfall über einen Zementkübel ragen. Wegen der Hygiene kann der bespannte Rahmen hier 10 cm Luft zum Kotbrett einhalten. Im Idealfall lässt sich dieses Element einfach nach vorne hochklappen. Wer den Kot mit einem langen Schaber herunter kratzt, kann das Kotbrett bis zur gegenüberliegenden Wandseite planen, um es dort zugleich zu montieren. Ist dieses sicher zu den Wandseiten versiegelt, bleibt der Bereich darunter direkt hygienisch.

Zur Information: Jedes Huhn soll auf den Sitzstangen wenigstens 25 cm Platz haben, diese sollen einen Abstand von wenigstens 35 cm zur Wand und zueinander haben. Das Kotbrett soll ca. 25 cm darunter liegen. Für 20 Hühner müssten es drei Sitzstangen mit 1,75 Metern Länge sein, das Kotbrett müsste also ca. 1,4 Meter breit sein. Wer den Platz darunter verwendet, will hoch hinaus und sollte den Hühnern zur Wandseite eine Rampe montieren, damit diese nicht das Kotbrett anfliegen.

Auch der etwas erhöhte Futterbereich soll gut erreichbar sein, um hier täglich frisches Wasser und das Kraftfutter zu geben. Letzteres soll draußen nicht stehen, um keine anderen Tiere anzulocken. Deswegen wäre außerdem eine sicher schließende und bissfeste Kiste der richtige Lagerort.

Doch bevor es mit diesen Arbeiten losgeht, muss das alte Gartenhaus erst kontrolliert werden: Ist das Dach noch sicher, zieht es bereits durch die Außenwände? Am einfachsten wäre es, direkt neue Teerpappe auf das Dach zu ziehen oder es zumindest komplett neu einzudecken, damit man sehr lange damit Ruhe hat. Bei den Seitenwänden ist es am einfachsten, die Außenseite anzuschleifen und mit frischer Grundierung zu behandeln, dunkle Holzlasur ist besonders beständig. Von Innen werden hingegen OSB-Platten vorgeschraubt, die außerdem dämmen. Etwas dicker ist deswegen besser.

Wegen der Hygiene sollen die unteren 50 cm der OSB-Platten mit Flüssigkunststoff beschichtet werden. Hier berät der Mitarbeiter im Baumarkt sehr gerne zu den verschiedenen Möglichkeiten. Liegen die Terrassenplatten richtig stramm, können die Fugen oder sogar die ganze Oberfläche noch mit einem anderen Kunststoff beschichtet werden. Zumindest der Boden muss hinterher sehr stoßfesst und leicht zu reinigen sein. Je weniger Ritzen es gibt, umso schlechter können sich die Roten Vogelmilben verstecken.

Die freien Holzbereiche wären im Idealfall mit einer weißen mineralischen Farbe zu streichen, die sich gut überkalken lässt, weil regelmäßiges Kalken ebenfalls gegen Rote Vogelmilben wirkt.

Neben diesen Aspekten benötigen Hühner im Hühnerstall Licht und frische Luft, es darf aber kein Luftzug sein. Rund 20 % der Fläche des Bodens ist die ideale Größe für die Fenster. Für die Frischluft wäre es ideal, wenn ein Kunststoffrohr auf mittlerer Höhe in den Scharrraum ragt, damit frische kalte Luft hineinfallen kann. Es ist der zu den Sitzstangen entfernte Bereich zu wählen. Im oberen Bereich muss es eine weitere Luftöffnung geben, die warme Luft drückt sich raus. Außerdem muss die Luftöffnung im Winter verjüngt werden, um wegen der Kälte weniger zu lüften. All diese sensiblen Stellen sind mit Marderdraht zu sichern, damit wirklich keine Tiere reinkommen.

Genau deswegen muss es eine sicher schließende Hühnerklappe geben. Wer eine automatische Hühnerklappe wählt, kann diese auch zum Abend manuell schließen, in seltenen Fällen wird mal ein Huhn eingeklemmt. Die abendliche Fütterung mit Kontrolle der Hühner ist ohnehin anzuraten.

Entfernt und unzugänglich zum Hühnerhaus soll der Kompost für den Hühnermist liegen, damit die Hühner sich nicht ihre eigenen Parasiten wiederholen. Kompostierter Hühnermist ist sehr guter Dünger für den Gemüsegarten.

Problemstellen wie Kotbrett, Tränken sowie Näpfe sind täglich oder zumindest sehr regelmäßig zu reinigen. Auch verdreckte Einstreu ist zu erneuern, sowie diese im Winter dicker sein soll. Und alle Quartale oder vor neuen Hitzephasen soll der Hühnerstall besonders gründlich gereinigt werden.

Hühner benötigen Auslauf, aber auch hier sollte das ein oder andere beachtet werden.
Hühner benötigen Auslauf, aber auch hier sollte das ein oder andere beachtet werden.

Hühnerauslauf für Selbstversorger

Hühner wollen Deckung. Wer als Selbstversorger seine Hühnerweide gestalten will, wählt deswegen Obstgehölze, Haselnusssträucher, Beerensträucher oder andere Pflanzen, die ihn auf irgendeine Weise weiterbringen. Ansonsten freuen sich Hühner über eine saftige Weide, einen Komposthaufen und einen Futterbereich. Dieser kann wieder mit alten Terrassenplatten ausgelegt sein. Einen leicht zu reinigenden Steintrog und eine Wassertränke soll es ebenfalls geben. Geeignete Reste aus Küche und Garten lassen sich leicht entfernen, mit dem Besen oder Handfeger ist bereits alles sauber.

Neben diesen Aspekten ist ein trockener Bereich sehr wichtig, damit die Hühner sich ein Staubbad anlegen können, welches bei der Gefiederpflege hilft. Ein zum Boden schließendes Nadelgehölz ist ideal. Es können auch alte Paletten oder Dachplatten zu einem schrägen Unterstand ausgebaut werden, die Hühner sind nicht wählerisch.

Je größer und ergiebiger der Auslauf, umso mehr lässt sich in der warmen Jahreszeit am Kraftfutter sparen. Mit der richtigen Bepflanzung gibt es auch noch reichlich Obst und Nüsse. Das Minimum in der Bio-Haltung sind 4 m² Auslauf, bei 20 Hühnern wären das 80 m², also 9 x 9 Meter, insgesamt eine Zaunlänge von 36 Metern. Eine mehrfache Größe wäre wegen der Futterersparnis deutlich besser.

Im Idealfall wird nicht eine Hühnerweide eingezäunt, sondern zwei als Hühner-Wechselweide. Zur Hühnerklappe können wieder einige alte Terrassenplatten liegen, weil dieser Bereich zerlaufen wird und bei Regen schnell unhygienischer Matsch entsteht. Nun wird die Hühnerweide eingezäunt und mittig unterteilt, um bei der Hühnerklappe auszukommen. Das letzte Zaunstück soll flexibel sein, es geht 14 Tage zur einen, dann zur anderen Seite. Schon erholt sich die Weidefläche sowie die Hühner ihren eigenen Keimen und Parasiten entkommen.

Hühnereier sind die leckerste Entlohnung für die harte Arbeit.
Wer sich gut um seine Tiere kümmert, wird reichlich entlohnt.

Wie viel Arbeit macht die Hühnerhaltung?

Wer als Selbstversorger ständig im Gemüse- und Obstgarten schwitzt und außerdem einen Teil der Ernte in der Küche verarbeitet, kann die Hühner im Vorbeigehen füttern. Geeignete Reste aus dem Gemüsegarten und der Küche fliegen nicht auf den Kompost, sondern vorher in den Hühnerauslauf. Ist dieser groß genug, kann zu einer Stelle auch der Komposthaufen stehen, wichtig bleibt, dass dieser von Außen gut erreichbar ist.

Langschläfer wählen eine automatische Hühnerklappe, die wenigstens von selber öffnet. Während des Tages werden die Tränken gesäubert und neu befüllt. Wer sehr bequem ist, kann während der warmen Jahreszeit eventuell eine Nippeltränke direkt an die Wasserleitung klemmen. Weil es das trockene Kraftfutter wegen der anderen Tiere nur drinnen geben soll, wäre eine Fütterung beim abendlichen Kontrollgang anzuraten. Der Zeitpunkt, bevor die Hühner auf die Hühnerstangen springen, ist perfekt. Hühner fressen auch gerne Breifutter mit Wurzelgemüse, Molke und Haferflocken. Dieses kann es knapp dosiert draußen geben, aber nicht für Barthühner. Diese brauchen eigene Tröge und Tränken und sollen klebriges Breifutter meiden.

Die Legehennen liefern die Eier meist am Vormittag in den Legenestern ab, diese lassen sich also gut zum späten Vormittag leeren. Jetzt lässt sich zugleich mit dem Schaber das Kotbrett reinigen, der Hühnerkot soll nicht zu lange im Zementkübel bleiben.

Das alte Gartenhaus wird mit kleinen Umbauarbeiten zum Palast für die Legehühner, die es einem fleißig danken. Sollte es wirklich einmal hart auf hart kommen, sind diese Eier und später auch die Suppenhühner eine interessante Tauschware, nicht nur für Kraftfutter.

Über den Autor
Dieser Gastartikel wurde geschrieben von huehner-ratgeber.de. Bei der privaten Hühnerhaltung geht es um mehr, als das Hobby und ein paar frische Eier: Die meisten alten Wirtschaftsrassen währen ohne private Züchter wohl bereits ausgestorben. Viele dieser Hühnerrassen haben jedoch spezielle Eigenschaften, häufig auch an das Klima der jeweiligen Region. Auch deswegen möchte das Team des Hühner Ratgebers das Hobby der privaten Hühnerhaltung fördern und das Huhn als interessantes Haustier vorstellen.

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